Die Geschichte des Reichstagsgebäudes spiegelt die bewegte Vergangenheit Deutschlands wider. Sie beginnt mit dem Bau des Gebäudes zwischen 1884 und 1894. Entworfen vom Architekten Paul Wallot, um den Reichstag des Deutschen Kaiserreichs zu beherbergen, war das Gebäude ein starkes Symbol der neu geeinten Nation. Seine Geschichte führt durch Monarchie, Revolution, faschistische Diktatur, einen verheerenden Krieg, die Teilung der Nation und schließlich die Wiedervereinigung.

Anfänge im Kaiserreich und die Weimarer Republik

Der ursprüngliche Neorenaissance-Bau war ein prachtvolles Statement, das jedoch nicht bei allen Anklang fand; Kaiser Wilhelm II. verspottete es bekanntermaßen. Ein bedeutender Moment war die Anbringung der Inschrift „Dem Deutschen Volke“ an der Fassade im Jahr 1916. Nur zwei Jahre später, am 9. November 1918, rief der Politiker Philipp Scheidemann von einem der Balkone die Deutsche Republik aus und markierte damit das Ende der Monarchie und den Beginn der Weimarer Republik.

Der Reichstagsbrand und die NS-Zeit

Das dunkelste Kapitel des Gebäudes begann in der Nacht des 27. Februar 1933, als ein Feuer das Bauwerk verwüstete und den Plenarsaal zerstörte. Der frisch ernannte Reichskanzler Adolf Hitler und die NSDAP machten die Kommunisten für den Brand verantwortlich. Dieses Ereignis diente als Vorwand für die Verabschiedung der Reichstagsbrandverordnung, eines Notstandsgesetzes, das die bürgerlichen Grundrechte außer Kraft setzte und die Massenverhaftung politischer Gegner ermöglichte, was den Weg in die NS-Diktatur ebnete. Das Parlament zog in die nahegelegene Krolloper um, und das Reichstagsgebäude blieb als vernarbte, ungenutzte Ruine zurück.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und Teilung im Kalten Krieg

Während des Zweiten Weltkriegs erlitt der Reichstag durch Bombenangriffe weitere schwere Schäden. Aufgrund seiner symbolischen Bedeutung wurde er während der Schlacht um Berlin im April 1945 zu einem Hauptziel für die Rote Armee der Sowjetunion. Das ikonische Foto zweier sowjetischer Soldaten, die am 30. April 1945 ihre Flagge auf dem zerstörten Gebäude hissen, symbolisierte die Niederlage Nazideutschlands.

Nach dem Krieg lag das Gebäude als Ruine in West-Berlin, nur wenige Meter von der Grenze zu Ost-Berlin entfernt. In den 1960er-Jahren wurde es teilweise wiederhergestellt, konnte aber aufgrund des geteilten Status von Berlin nicht als Parlamentssitz genutzt werden. Jahrzehntelang beherbergte es eine historische Ausstellung und war ein stilles Mahnmal für eine geteilte Nation.

Wiedervereinigung und ein Neuanfang

Der Fall der Berliner Mauer 1989 änderte alles. Die offizielle Zeremonie zur deutschen Wiedervereinigung fand am 3. Oktober 1990 im Reichstag statt. Nach einer historischen Debatte beschloss der Bundestag 1991, den Regierungssitz von Bonn zurück nach Berlin zu verlegen – mit dem Reichstag als seinem Zuhause.

Der Umbau durch Foster

Ein ehrgeiziges Umbauprojekt unter der Leitung des britischen Architekten Sir Norman Foster begann 1995. Fosters Entwurf verband meisterhaft die historische Hülle mit einem modernen Innenleben. Er legte Schichten früherer Renovierungen frei, um historische Spuren wie die kyrillischen Graffiti sowjetischer Soldaten freizulegen und zu erhalten.

Das prägendste Merkmal des neuen Entwurfs ist die beeindruckende Glaskuppel, die direkt über dem Plenarsaal errichtet wurde. Dieses Bauwerk symbolisiert die Transparenz der deutschen Demokratie. Die erste Sitzung des Bundestages im neu gestalteten Gebäude fand am 19. April 1999 statt.

Häufig gestellte Fragen

Wann wurde das Reichstagsgebäude ursprünglich erbaut?

Das ursprüngliche Reichstagsgebäude wurde zwischen 1884 und 1894 nach den Plänen des deutschen Architekten Paul Wallot erbaut.

Was geschah 1933 im Reichstag?

Am 27. Februar 1933 wurde das Reichstagsgebäude durch einen Brand schwer beschädigt. Die NSDAP nutzte das Ereignis als Vorwand für die Behauptung eines kommunistischen Komplotts, was zu einer Notverordnung führte, die die bürgerlichen Freiheiten aussetzte und zur Festigung von Hitlers Macht beitrug.

Warum ist die Reichstagskuppel aus Glas?

Die von Sir Norman Foster entworfene Glaskuppel ist ein Symbol für politische Transparenz und ermöglicht es der Öffentlichkeit, in den Plenarsaal hinabzublicken. Sie ist zudem ein umweltfreundliches Element, das für Tageslicht und natürliche Belüftung sorgt.

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